Aperitif in Genua

15
09
2010

Aperitif in Genua

Beitrag von Dorette Deutsch

Mein Gang durch Genua beginnt meist in der Via Garibaldi, eine der prachtvollsten Strassen Genuas. Früher hieß sie Strada nuova; neben der Strada nuovissima, der heutigen Via Cairoli, und der Via Balbi ist sie eine der drei zentralen Achsen der Stadt. Genua ist eine vertikale Stadt, ohne eigentliches Zentrum, dafür mit drei Achsen, den drei Prachtstrassen, die die Stadt durchziehen.

Genua hat einen der größten und am besterhaltensten mittelalterlichen Stadtkerne Europas. Die Via Garibaldi, der Dogenpalast, der Porto Antico und der Palazzo del Principe: Alle Orte Genuas tragen die große Geschichte der Stadt in sich. Nach einem Aperitif in einer der kleinen Bars um den Dogenpalast führt die Via Lorenzo, an der Kathedrale San Lorenzo vorbei, hinunter zum Meer.

In den meisten italienischen Städten liegt die Piazza vor der Kathedrale; in Genua dagegen ist die Piazza vor San Lorenzo mit seiner schwarz-weissen Fassade eher klein ausgefallen. Links und rechts der Kathedrale beginnt das dichte Gassengewirr der Altstadt. Manchmal sind die Gassen so eng, dass sich die Schönheit der Häuser in dunklen Schatten verliert. Erst in den oberen Stockwerken sind die Fenster wieder dem Meer zugewandt. Die vielen kleinen Plätze im Centro storico wurden entweder nach den nahen Kirchen oder gleich nach den Palästen der reichen Familien benannt. Im Gegensatz zu Venedig, wo das Staatswesen zum Wohl der Republik straff organisiert war, stand in Genua der ausgeprägte Individualismus der reichen Kaufmannsfamilien im Vordergrund, was sich auch am Stadtbild ablesen läßt.

Unten am Hafen ließ Guglielmo Boccanegra im 13. Jahrhundert den prächtigen Palazzo del mare, heute Palazzo San Giorgio, erbauen und schuf damit einen Ort, wo sich die neue Stadtregierung versammelte. Nach der erfolgreichen Sanierung der letzten Jahre ist das ganze Hafengebiet um den Porto antico wieder beliebter Treffpunkt der Genueser.

Die Neuordung der Stadt begann im 16. Jh. mit dem großen Admiral Andrea Doria. Andrea Doria erkannte, dass die Macht Genuas nicht im Handel, sondern in seiner Finanzkraft lag. Er führte das zweijährige Dogenamt ein. Dem Dogen zur Seite standen acht Senatoren und acht Prokuratoren. Zwar wurden die Dogen auf Lebenszeit gewählt, waren in ihrer politischen Rolle längst nicht so wichtig und bekannt sind wie die Dogen Venedigs. Der mächtige Andrea Doria hatte sich nie zum Dogen wählen lassen. Doch als Zeichen seiner Macht ließ er einen prächtigen Palast am Meer, den heutigen Palazzo del Principe, errichten. Angeblich wurde das Tafelsilber nach Festessen ins Meer geworfen – in Anbetracht der sprichwörtlichen Sparsamkeit der Genueser eine ungewöhnliche Geste. Es heißt, das Tafelsilber wurde durch Netze im Meer aufgefangen und nach dem Ende der Banketts wieder herausgefischt. Den Palazzo del Principe mit seinen prachtvollen Innenräumen kann man besichtigen und sich im Garten des Fürsten vom Autolärm der Gegenwart erholen.

Palazzo del Principe, Piazza del Principe 4, Genova
(5 Gehminuten vom Bahnhof Porta Principe entfernt)
Öffnungszeiten und Information siehe www.dopart.it/genova

Fotos: Andrea Doria gemalt von Seabstiano del Piombo und die Prachtstrasse Via Garibaldi

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