Beruf: Liedermacher

05
06
2010

Beruf: Liedermacher

Beitrag von Dorette Deutsch

Ich lerne Sergio Alemanno am alten Hafen kennen, als er die Genueser Nationalhymne „Ma se ghe pensu“ über das Schicksal der Emigranten für eine Schulklasse singt.
Mit dabei ist Franco Piccolo, mit dem er zwei seiner wichtigsten Lieder, „O strasse“ und „Ostaie,“ geschrieben hat.
„Natürlich ist „Ma se ghe pensu“ das schönste Lied der Welt, sagt Sergio, „aber ich hasse es. Vielleicht habe ich angefangen, Lieder auf Genuesisch zu schreiben, weil ich „Ma se ghe pensu“ einfach nicht mehr hören konnte.“
Als junger Musiker war Sergio Alemanno auf den Schiffen nach Übersee, nach Argentinien und Brasilien unterwegs. Durch die regelmäßigen Schiffsrouten - und den ständigen Strom der Emigranten seit dem 19. Jahrhundert - sind brasilianische und argentinische Elemente in die Lieder der Genueser Cantautori eingegangen. Tango-, Samba – und Bossa-Novo-Elemente sind in vielen Liedern erkennbar: Auch „Ma se ghe pensu“ ist eigentlich ein Tango.
Genua war und ist Umschlagplatz für Menschen und Waren aus aller Welt, was sich auch an seiner Musikkultur zeigt. Bereits 1940, als noch das Embargo gegen das faschistische Regime galt, gelangten die ersten Jazzplatten mit den Ozeandampfern nach Genua. In Genua wurde die erste Jazzband Italiens gegründet, sogar der Komponist der italienischen Nationalhymne „Fratelli d’ Italia,“ Goffredo Maimeli, stammt aus Genua. Zur ersten Generation der „Cantautori,“ die zwischen 1960 und 1980 in ganz Italien bekannt wurden, gehören Umberto Bindi, Luigi Tenco, Bruno Lauzi und natürlich der 1908 geborene Mario Capello, Komponist und Interpret von „Ma se ghe pensu.“
Die „Cantautori“, die Liedermacher, sind wichtiger Teil der Alltagskultur. Immer geht es in den Liedern um Stimmungen, Gerüche, um das Leben der Menschen in Genua.
„In Genua hat die Bewegung der Liedermacher angefangen, die dann auf ganz Italien übergegangen ist, “ sagt Sergio. „Vielleicht haben wir uns gegenseitig angesteckt. Aber in Genua herrscht eine besondere Stimmung, die das Bedürfnis weckt, sich mitzuteilen. Vielleicht liegt es am Meer oder auch an unserer tiefen Verbindung mit der Stadt. Denn wir Genueser leben ganz nah am Meer und wissen nie, was sich darunter verbirgt.“Bilder und CD-Covers einiger Genueser Cantautori. Auf dem ersten Bild sieht man Mario Capello, Komponist von "ma se ghe pensu", (Foto Quelle: Wikipedia)

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