Blaue Fische

15
07
2010

Blaue Fische

Beitrag von Dorette Deutsch

Jeden Dienstag und Donnerstag kommt der Fischhändler vorbei. Er ruft an, wenn er in Corniglia losfährt, dann holt mich Francesca mit der roten Verspa ab.
„Vuoi pesci?“
Ab Ende Juni lasse ich alles liegen und stehen und fahre mit Francesca die Strasse hinauf, natürlich in der Hoffnung, dass es acciughe gibt. Die sommerliche Hitze treibt sie vor die Küste. Die acciughe von Monterosso werden in ganz Ligurien geschätzt. Heute hat Ermanno acciughe dabei, ziemlich versteckt, und zuallererst nimmt er ein Kilo für sich heraus, weil er sonst bis Pignone keine mehr hat. Sie sind noch ziemlich klein, sagt er, obwohl die Jahreszeit genau richtig zum Einlegen wäre. Du legst sie ein, in vierzig Tagen kannst du sie essen, aber das muss noch vor Weihnachten sein, weil so kleine Fische danach zu salzig sind. Ein Tintenfisch liegt neben den acciughe und schaut uns mit einem schwarzen Auge an. Übrigens habe er gerade einen Dokumentarfilm gesehen, sagt Ermanno, Tintenfische sind neugierig und intelligent. Im Film hat er das Glas mit den acciughe aufgeschraubt, alles genau angesehen und wieder zugemacht.
Ich kaufe drei Kilo und laufe zu Antonia hinauf.
Hast du Salz für mich? Bei ihr liegt es in Säcken gespeichert in der Garage. Vierundzwanzig Stunden müssen die Fische in grobem Salz liegen. Danach werden sie von Kopf und Innereien befreit und zusammen mit grobem Salz in die gläsernen albanelle geschichtet. Alle Katzen aus der Nachbarschaft schauen zu und freuen sich.
- Du bist eine der wenigen, die die Tradition aufrechterhalten, sagt meine Freundin Angela. Vieleicht solltest du die acciughe unten am Meer waschen, dann wirst du beliebtes Fotomotiv!

Foto Copyright: Alessandro Duci

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