Buon Compleanno, Don Gallo!

02
06
2010

Buon Compleanno, Don Gallo!

Beitrag von Dorette Deutsch

Von Don Andrea Gallo hatte ich schon lange gehört, bevor ich ihn kennengelernt und mich daran gemacht hatte, Genua zu entdecken. Ich weiss noch, wie ich damals ganz aufgeregt vom Bahnhof Porta Principe die Comunità San Benedetto aufgesucht hatte. Ich war viel zu früh, und hatte in der angrenzenden Kirche die Madonnenbilder betrachtet. Ich hatte manchmal von ihm gehört: Ein Priester, der gelegentlich die ganze Stadt in Aufruhr versetzt hatte, zum Beispiel, als er allen „extracomunitari“ öffentlich eine Aufenthaltsgenehmigung im Namen Gottes erteilt hatte. Zu hunderten waren sie zu ihm geströmt und hatten den Aufruf natürlich wörtlich genommen. Im tiefen Sinn war er auch so gemeint, und seine Protestaktion hatte längerfristig zum Nachdenken angeregt.
Don Gallo ist heute eine der kritischsten Stimmen Genuas und auf nationaler Ebene bekannt. Seit Jahrzehnten kümmert sich seine Comunità San Benedetto um alle gesellschaftlichen Außenseiter: Ehemalige Drogenabhängige finden dort ebenso Aufnahme wie Ex-Häftlinge oder, wie ich es einmal erlebt habe, eine Studentin, die sich in der Via Prè vor einer zufällig vorbeigekommenen, freundlichen Ratte fürchtete. Häufig greift er persönlich ein, wenn es zu Reibungspunkten zwischen „extracomunitari“ und den Institutionen kommt.
In der Nähe des alten Leuchtturms, direkt am Hafen, betreibt die Comunità ein Restaurant mit lokalen Spezialitäten. Es ist schon eine Weile her, dass ich dort gegessen habe: Die Einnahmen kommen der Comunità zugute. Natürlich lebt Don Gallo, wenn er nicht unterwegs ist, selbst unter all denen, die er in San Benedetto, einem wirklichen Schutzraum, aufgenommen hat.
Und eine andere Anregung verdanke ich ihm: Er war es, der mich auf das Leuchtturmprojekt Tiedoli aufmerksam gemacht hatte, in dem alte Menschen, die anderen Außenseiter unserer Gesellschaft, flexibel und je nach ihren Bedürfnissen betreut werden. (Schöne Aussichten fürs Alter, Piper Tb, München)
Giorgio Bergami, einer der angesehensten Genueser Fotografen (myliguria wird noch über ihn berichten), hat schon in den sechziger Jahren viele Aufnahmen von Don Andrea Gallo gemacht: Im Stadtviertel Carmine, wo er Parocco war. „Mi hanno rubato il prete!“ rief damals ein trauriger kleiner Junge, als Don Gallo in ein anderes Viertel versetzt wurde.
„Mi hanno rubato il prete!“ – mehr als nur ein Satz, der auf die tiefe Verbindung zwischen Don Gallo und den Genuesern hinweist. Unter diesem Namen findet jedes Jahr eines seiner zahlreichen Geburtstagsfeste im Stadtviertel Carmine statt. Trotz seiner achtzig Jahre wird er sich einmischen, wo auch immer es etwas zum Einmischen gibt. Buon compleanno, Don Gallo!

Die Bilder zeigen Don Gallo sowie die Canonica della Parrocchia della SS. Trinità e di San Benedetto.
(Bilder Wikipedia, siehe http://it.wikipedia.org/wiki/Andrea_Gallo)

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