Gemeinschaftlich wohnen – Verantwortung tragen: Der „Hof e.V.“ als Multiplikator

18
05
2010

Annelie Matthiesen, Vorstandsfrau im Verein „Der Hof e.V.“ Nürnberg

Die Frauen und Männer, die 1996 den Verein „Der Hof“ gründeten, hatten die Vision von selbstverantwortlichem und gemeinschaftlichem Leben auch im Alter und wollten ihre Wohnsituation aktiv gestalten.
Damals befand man sich in einer Art Niemandsland, das es galt, neu zu besiedeln. Die Idee, den Lebensabschnitt "Alter" gemeinsam zu gestalten, so lange wie möglich selbständig zu bleiben und sich gegenseitig zu unterstützen, wurde zunächst als Utopie belächelt.
Inzwischen bietet der Verein viele Veranstaltungen an, ist mit Informationen zum Thema „Gemeinschaftliches Wohnen“ auf Fachtagen und - messen vertreten, um möglichst viele Menschen für die Idee zu gewinnen. Das Ziel: Der Tendenz zu Anonymität und Vereinzelung, die in eine soziale und politische Sackgasse mündet, entgegenzuwirken, sich wieder füreinander verantwortlich zu fühlen.

Wie oft findet der Stammtisch des Hof e.V. statt und wen treffe ich da?

Der monatliche „Stammtisch für Interessierte an gemeinschaftlichen Wohnformen für Alt und Jung“ ist inzwischen zur festen Einrichtung geworden.
Seit Jahren kommen jeden 1. Dienstag im Monat ca. 15-25 Menschen, die sich Gedanken über das eigene Älter- und Altwerden machen, aber auch Jüngere, die Gemeinschaft suchen. Natürlich kommen auch Menschen dazu, die einfach Kontakte suchen.

Wie kann ich Gleichgesinnte kennenlernen, wenn ich ein Wohnprojekt plane?

So sitzen dann erfahrene Projektbewohner und –bewohnerinnen mit „Schnupperern“ und mit Leuten aus bereits stabilen Gruppen, die schon auf der Suche nach einer Immobilie sind, zusammen. Sie erzählen von ihren Erfahrungen, berichten freudig oder skeptisch, hoffnungsvoll und manchmal bedrückt über nicht geglückte Wohnprojekte. Fragen zur Machbarkeit werden gestellt: Größe des gemeinschaftlichen Areals, wieviele Personen, optimale Altersstruktur, welche Wohneinheiten, mögliche Arbeitsplätze im Wohnprojekt, Dienstleistungen, Finanzierbarkeit und Rechtsformen, um nur einige zu nennen. Besonders wichtig ist das Kennenlernen von Gleichgesinnten. Treffen außerhalb des Stammtisches werden vereinbart, Gemeinsamkeiten werden ausgelotet. Neue Gruppen finden sich zusammen mit einem Ziel: Das Wohnen gemeinsam gestalten, befriedigende Lösungen zu finden, sich zu begegnen, einander zu helfen, Selbstbestimmung und Eigenständigkeit zu bewahren.

Was war Euer größter Erfolg?

Schlecht zu sagen, viele Erfolge und keine Erfolge. In dieser Frage sind wir eher bescheiden. Das ergibt sich aus der bisher niederschwelligen Arbeit. Und trotzdem:

Als großen Erfolg sehen wir, dass der Verein weit über die nordbayerischen Grenzen bekannt ist und für Vorträge und Informationsveranstaltungen angefragt wird; die Leute, die unsere „Statertreffen“ (Intensivkurse), besucht haben, herausfinden können, welche Form von Gemeinschaft sie suchen und mittragen würden; einige ihre Wohnform fürs Alter gefunden haben – wie auch immer diese aussieht. wir zur Zeit ein neues Projekt anstreben und gerade beim Bayerischen Staat einen Antrag stellen.

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