Herbst in den Marmorbergen von Carrara

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11
2010

Herbst in den Marmorbergen von Carrara

Beitrag von Dorette Deutsch

Wie in vielen Gegenden, wo in der Vergangenheit große Armut herrschte, hat sich auch in der Lunigiana eine unberührte Landschaft erhalten. Es ist ein Gebiet voll ungewöhnlich reizvoller Gegensätze, wo sich die fruchtbare Ebene des Magra-Flusses mit dem Küstenstreifen verbindet und der Blick vom Meer auf eine blendendweisse Berglandschaft fällt.

Seit über zweitausend Jahren wird in Carrara Marmor gebrochen. In der Gegend um Carrara und und seinen Marmorsteinbrüchen entstand eine ungewöhnliche Symbiose von Mensch und Natur.
„Viele Begriffe unseres Alltags stammen aus dieser Welt, sagt Giovana Bernardini, Dezernentin für Kultur.“ Sie betreut die Internationale Biennale für Marmorskulpturen, die in diesem Jahr bis Ende Oktober stattfand. Internationale Künstler und Bildhauer trafen sich in den lokalen Marmortwerkstätten, um sich mit dem Material vertraut zu machen.

Heute ist Marmor ein Konsum-, manchmal ein Luxusprodukt. Mit härtester Arbeit und immer noch großer Gefahr für das eigene Leben bringen wir ihn nicht mehr in Verbindung. Die Arbeit in den Steinbrüchen war unvorstellbar hart und dauerte von „Stern zu Stern,“ vom Morgen - bis zum Abendstern, und das waren gut und gern zwölf Stunden. Aus diesem Grund ist in Carrara auch eine frühe gewerkschaftliche Bewegung entstanden. Die Erfahrung in den Steinbrüchen wurde von Generation zu Generation weitergegeben.

Die Männer, die in schwindelerregender Höhe Pfade anlegen, Wege bauen, Blöcke auswählen, abtrennen, transportieren und den Berg von gefährlichem Schutt befreien, sind hochprofessionelle Spezialisten. Beim Schneiden der Blöcke macht man sich die natürlichen Adern des Marmors zunutze. Früher trieb man Holzblöcke in die Adern, die man so lange mit Wasser füllte, bis der Stein barst. Sand, Wasser, Holzblöcke und Hanfseile waren früher die wichtigsten Arbeitsgeräte. Schon lange hat man sie durch effiziente Technik der Maschinen ersetzt.

In den Apuanischen Alpen wurde bereits zu römischer Zeit weisser Marmor gebrochen, um prächtige Patriziervillen auszustatten. Marmor ist ein Material für den Frieden, sagt man, denn daraus werden Paläste und Kunstwerke erbaut.
Die Künstler der Renaissance, allen voran Michelangelo, haben das Material für ihre bekanntesten Werke in den berühmten Steinbrüchen ausgewählt.

Das Dorf Colonnata liegt unter der Spitze des Berges und hat es sich trotz der steilen Wege im Tourismus bequem gemacht. Hier wird seit drei Jahrhunderten der berühmte „Lardo di Colonata“ hergestellt: Speck, sechs Monate in Salz und Kräuter eingelegt. Allein wegen dieser kulinarschen Köstlichkeit lohnt sich eine Reise in die Marmorberge.

Ein paar Herbstnebel hängen schon über den Bergen, und ein Denkmal vor der Kirche erinnert an all die, die ihr Leben in den Steinbrüchen verloren haben.

Alle Bilder stammen von Wikipedia. Es sind Ansichten von den Carrara-Steinbrüchen und Denkmäler für die Verunfallten.

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