Macht in Kommunikationsprozessen?

27
10
2010

Macht in Kommunikationsprozessen?

Beitrag von Dorette Deutsch

Margot Opoku-Böhler, Projektberaterin im Verein  „Neues Wohnen im Alter e.V.“ Köln und Bewohnerin im Wohnprojekt „Haus Mobile“ Köln

Was ist zurzeit das häufigste Problem von Gruppen?

Die zwischenmenschliche Kommunikation ist die Grundlage aller gemeinschaftlichen Wohnprojekte und deshalb auch das Hauptproblem, das das Leben im Projekt in jeder Phase prägt. 

Jede einzelne Person, Paare oder Familien beeinflussen den Prozess. In diesem Zusammenhang ist es beeindruckend zu beobachten, welche Machtmechanismen hier ablaufen.

Aber um die notwendige soziale Kompetenz für das Zusammenwohnen zu erlangen, um das Projekt mit Leben zu füllen und es lebendig zu gestalten, muss dieses Problem gelöst werden.

 

Was kann eine gute Moderation leisten?

Sie sollte es schaffen, dass die Projektgruppe sich selbst moderieren lernt. Wichtig ist, dass die Person selbst Projekterfahrung hat, um auch inoffizielle Kommunikationstrukturen zu erkennen. Es wäre schön, wenn überzeugend vermittelt werden könnte, dass die Verbindlichkeit und die Dynamik eines Wohnprojektes immer durch das Zusammenspiel aller Kompetenzen und Interessen in einem gemeinsamen sozialen Lernprozess entstehen. 

Deshalb ist es immer ein ganz tolles Erlebnis für alle, wenn  offensichtlich wird, wie viele gemeinsame und unterschiedliche Fähigkeiten hier zusammenkommen. In diesem Sinne ist eine gute Moderatorin, wie auch andere Experten, eine Person, die der Gruppe etwas beibringt, das sie selbst als Bedarf erkannt hat bzw. lernen möchte. Die Gruppe muss  deshalb vorher genau bestimmen können, was sie wirklich benötigt und was nicht, weil nur sie dies tatsächlich weiß.

 

Welches Signal geht von  erfolgreichen Wohnprojekten aus und weshalb sind sie so wichtig?

Hier entstehen oder existieren mitten in einer Gesellschaft, die auf Konkurrenz-strukturen aufgebaut ist und nach deren Prinzipien funktioniert, Inseln oder Stützpunkte, wo versucht wird, sich  mit gegenseitigem Respekt freundschaftlich zu unterstützen. Anstatt in Konkurrenz  und mit  Misstrauen einsam zu leben, werden hier soziale Kompetenzen eingeübt,  die das gegenseitige Interesse fördern. Dass dies nicht leicht ist, dürfte klar sein, aber Lust, Spaß und Humor gehören hier genauso dazu wie ernsthafte Ge-spräche.

Interessant ist, dass die direkte Nachbarschaft, die mitbekommt, was da so abläuft, meint: „das können wir doch auch!“ und  uns  freiwillig als Vorbild wählt. Die in der weiteren Nachbarschaft Lebenden beobachten  mit Inter-esse was sich da so tut, während einige sogar Spaziergänge oder ihren täglichen Weg am Projekthaus vorbei  planen, um einen direkteren Blick auf das Haus zu bekommen. Dies tut natürlich einer leben-digen Nachbarschaft gut.

Über ein Nachbarschaftscafé im Wohnprojekt wird der direkte Kontakt logi-scherweise noch besser ermöglicht und gefördert. 

Es hat im Haus Mobile auch schon die Situation gegeben, wo wir Tiere und Pflanzen in nachbarschaftlichen Wohnungen, außerhalb unseres Hauses betreut haben, oder Nachbarn sich so wohl bei uns fühlten, dass sie nicht nur im Cafe, sondern auch bei den Aktivitäten in unserem Haus teilgenommen haben und somit die meiste Zeit bei uns zubrachten. Die Projektbewohner freuen sich übrigens eben auch über solche Besuche in ihrer Wohnung. 

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