Prosecco in Grandhotels

29
04
2010

Prosecco in Grandhotels

Beitrag von Dorette Deutsch

In den Gärten wuchsen Orangen und Granatäpfel, und die blühenden Zitronenbäume erinnerten an den Frühling, wenn es im Norden noch Winter war: Nicht wie heute im Frühling oder Sommer, sondern im milden Winter suchten im 19. Jahrhundert russische Fürsten, Maler und Dichter die Riviera auf. Die Küste bei Rapallo, Santa Margherita und Portofino ist der einzige Ort der Welt, findet Giulio Ciana, der als Abkömmling der Hoteliers-Familie Ciana noch im Hotel „Regina Elena“ geboren ist, wo man den wahren Reiz einer „heur bleu“ erleben kann. Früher gehörten Portofino, Rapallo und Santa Margherita zusammen und besaßen einen gemeinsamen Bahnhof. Im weltberühmten „Hotel Imperial“ in Santa Margherita wurde 1921 der „Vertrag von Rapallo“ ausgehandelt, der das Ende des 1. Weltkriegs besiegelte.
Aus dem 19. Jahrhundert sind manche kuriose Geschichten überliefert: Von einem russischen Fürsten, der gebrauchtes Geld verabscheute und sich jede Woche neue Münzen aus einer Münzpräganstalt anliefern ließ. Natürlich verzichtete er, wenn er bezahlte, großzügig auf den Rest. Es war eine Epoche der Gegensätze: Im nahen Genua wurde 1892 die Sozialistische Partei Italiens gegründet. Der geniale Erfinder Guglielmo Marconi machte in Santa Margherita seine ersten Versuche mit Radar und Radiowellen. Seine Tochter Elettra sah lächelnd vom Strand aus zu.
Erst mit der Fertigstellung der Eisenbahn 1879 wurde die Schönheit der Riviera allgemein bekannt. Von da an wurde Reisen immer weniger Privileg einer reichen Minderheit.
Giulio Ciana erzählt, dass seine Großmutter, Begründerin des „Metropole,“ zeitlebens von Reichtum ziemlich unbeeindruckt war: Im Hotelalltag hatte sie noch die Romanoffs erlebt.
In Santa Margherita bildet die zerklüftete ligurische Küste einen beeindruckenden Kontrast zu den prachtvollen Bauten der Belle Époque. Viele Hotels am Lungomare, meistens Familienbetriebe, haben in ihrer Einrichtung, mit trüben Spiegeln, Kristalleuchtern und plüschigen Sofas, etwas vom Reiz der Vergangenheit bewahrt. Man muss nicht dort wohnen: Manche, wie das „Miramar“ in Santa Margherita oder das „Kulm“ oberhalb von Portofino (das sich als Ausgangspunkt von Wanderungen eignet), haben kleine Bars, wo man zur blauen Stunde einen Prosecco genießen kann.

Zum Thema Grandhotels an der Riviera siehe auch das Kapitel „Menschen in Grandhotels“ in: Dorette Deutsch, Gebrauchanweisung für Genua und die Italienische Riviera. Piper Verlag 2004

Tipp für die, die in Ligurien wohnen: In Santa Margherita gibt es den Kulturverein „Spazio aperto“ mit ausgewählten Filmen, Konzerten und Vorträgen jede Woche. Für 25 Euro jährlich kann man Mitglied werden.
Spazio Aperto, Via dell’ Arco, 38, Santa Margherita Ligure
Tel. 0185/ 69 64 75, Fax 0185/ 29 30 84

Fotos: Die Grandhotels der Riviera

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